Ausgangslage

Stationäre Einrichtungen der Jugendwohlfahrt haben in ihren Konzepten die Nutzung von freizeit- und erlebnispädagogischen Elementen festgeschrieben. Die Erziehung zur kompetenten Gestaltung der persönlichen Freizeit, die Förderung der Entwicklung persönlicher Interessen auf diesem Gebiet sind z.B in der Steiermark  Bestandteil der DVO zum Jugendhilfegesetz. Für Sozialpädagogische Wohngemeinschaften nach dem JWG ist in der Steiermark sogar die „Sinngenerierung durch pädagogisch angeleitete Erlebnisse auch in Risikobereichen“ gesetzlich vorgegeben.

Trotzdem nützen viele stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe  die Möglichkeiten der bewegungsorientierten Freizeitpädagogik nur in beschränktem Ausmaß.. Neben der Organisation des Einrichtungsalltags und des pädagogischen „Tagesgeschäfts“ bleiben für die Planung und Konzeption dieser Maßnahmen meist nur beschränkte Ressourcen und Kompetenzen.

Dies betrifft vor Allem über die bloße Organisation von Urlauben und Ausflügen hinausgehende pädagogische Überlegungen, wie etwa die fixe Implementierung bewegungsorientierter freizeitpädagogischer Inhalte, wie z.b. einer Sportart, die für die KlientInnengruppe und die Einrichtung passend und den jeweiligen pädagogischen Zielen förderlich ist. Auch bei Fragen der Entwicklung des Betreuer- und KlientInnengefüges können zielorientierte, auf  gründliche Anamnese des pädagogischen Milieus aufbauende freizeitpädagogische Interventionen eine wichtige Rolle spielen.

Bei krisenhaften Situationen, in denen Gewalttätigkeit von Jugendlichen oder ein hohes Maß an aggressionsbetonten Konflikten in Einrichtungen eine Rolle spielen, bieten spezialisierte Formen der bewegungsorientierten Freizeitpädagogik ebenfalls Werkzeuge für nachhaltige Lösungen.

Dies betrifft sowohl die Arbeit mit einzelnen KlientInnen, der KlientInnengruppe als auch gemischte Formen mit dem pädagogischen Personal, sowie die Arbeit mit dem Team und einzelnen Pädagogen.

Bei der Neukonzeption oder einer nach einer krisenhaften Entwicklung der Einrichtung notwendig gewordenen Neuorientierung kann die schwerpunkthafte Einbeziehung von erlebnispädagogischen Elementen die Grundlage für ein neues Selbstverständnis der Einrichtung sowohl nach innen als auch in die Richtung der möglichen Auftraggeber sein und als USP wirksam werden.

Die Formulierung und Einarbeitung in Einrichtungs- oder Trägerkonzepte kann ebenfalls Bestandteil der Leistung sein.

Dieses Angebot versteht sich als Dienstleitung für Jugendwohlfahrtseinrichtungen, die individuelle und passgenaue bewegungsorientierte freizeit- und erlebnispädagogische Formate gemeinsam mit Leitung, BetreuerInnen und KlientInnen entwickelt, organisiert und bei Bedarf durchführt.

Das Team besteht aus SozialpädagogInnen und Trainern, die sowohl langjährige Erfahrung in der Projektarbeit und in der pädagogischen Arbeit mit KlientInnen der Jugendwohlfahrt, als auch hohe sportliche  Qualifikationen in sich vereinen.

Grundsätzliche Ziele sind die Nachhaltigkeit und die  sozialräumliche Verankerung der Interventionen,  und der Gedanke der Selbstermächtigung der AdressatInnen. Ressourcensensible Lösungen sind uns besonders wichtig.

Beratungsprozess

Wenn sich Einrichtungen für eine Zusammenarbeit interessieren, ist Eingangs zu klären, ob die Interventionen dauerhaften und konzeptuell wirksamen Charakter haben, oder auf die Gestaltung und Unterstützung einzelner Formate in Einrichtungen abzielen sollen.

Interventionen mit mittel- bis langfristigem Charakter und konzeptuellem Potential

Arbeit mit Geschäftsführung oder Fachbereichsleitung

  • Darstellung der betreffenden Einrichtungen und des Interventionsbedarfs aus Sicht der übergeordneten Leitungsebene
  • Fragen der Team- und Organisationsentwicklung, die durch die Interventionen beeinflusst werden sollen.
  • Fragen der möglichen Bedeutung und Nutzung der Interventionen für das Einrichtungsprofil und das pädagogische Konzept
  • Die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen
  • Die Präsentation und Genehmigung erarbeiteter Lösungen auf Einrichtungsebene
  • Berichterstattung über die Evaluation von gesetzten Maßnahmen

Arbeit mit der Einrichtungsleitung

  • Darstellung der betreffenden Einrichtungen und des Interventionsbedarfs aus Sicht der Einrichtungsleitung
  • Darstellung der bisherigen Nutzung von Freizeit- und erlebnispädagogischen Elementen in der pädagogischen Arbeit
  • Aktuelle pädagogische Fragestellungen im Betreuerteam
  • Aktuelle pädagogische Herausforderungen in der KlientInnengruppe/bei einzelnen Jugendlichen
  • organisatorische Rahmenbedingungen (für Interventionsinhalte verfügbare personelle und finanzielle Ressourcen für regelmäßige Inhalte auf Einrichtungsebene, Jahresplanungen für WG-Urlaube, Aktionswochenenden etc.
  • bauliche und sozialräumliche Ressourcen ( z.b. verfügbare Räumlichkeiten, Sporthallen, ..)
  • Einbeziehung bei der inhaltlichen Erarbeitung mit dem Team
  • Ansprechpartner für die organisatorische Umsetzung

Arbeit mit dem Team

Die Bereitschaft bei der schon genannten „Sinngenerierung durch pädagogisch angeleitete Erlebnisse auch in Risikobereichen“ mitzumachen muss natürlich auch bei den „pädagogisch Anleitenden“ vorhanden sein.  Der Entschlusss, in einer sozialpädagogischen Einrichtung bewegungsorientierte Freizeit- und Erlebnispädagogik vermehrt und qualitätsvoller zu nutzen, lebt von der Compliance der betreuenden Pädagogen.

Diese ist sehr davon abhängig, ob dies als zusätzliche Belastung zum anstrengenden Regeldienst oder als kongruente und selbstbestimmbare Form der Arbeit mit den Jugendlichen erlebt wird.

Die Nutzung bestehender persönlicher Interessen, Qualifikationen und Ressourcen ist hier besonders bedeutsam, auch im Sinne einer Wahrnehmung dieser persönlichen Interessen als professionelle Ressource durch das Arbeitsumfeld.

Aufwertungen persönlicher Kompetenzen (z.B. durch Aufschulungen zu Übungsleitern in verschiedenen Sportarten) durch die Einrichtung können sehr wichtige Mittel sein um die  Motivation der Mitarbeiter herzustellen.

Für die Sozialpädagogen ist es entscheidend, ihr Handeln in diesem Feld als bedeutsam für das Zusammenleben in der Einrichtung und die Erreichung der Entwicklungsziele ihrer KlientInnen zu erleben, was durch eine professionelle Planung und Evaluierung dieser Formate gewährleistet wird.

Die Arbeit mit dem Team umfasst

  • Kennenlernen von erfolgreichen passgenauen freizeit- und erlebnispädagogischen Interventionen.  Analyse und Diskussion von bisher eingesetzten Elementen   von Freizeit- und Erlebnispädagogik im eigenen Arbeitsumfeld.
  • Analyse aktueller pädagogischer Fragestellungen der Einrichtung.
  • Formulierung möglicher Antworten bewegungsorientierter freizeit- und erlebnispädagogischer Interventionen.
  • Suche nach passgenauen (im Sinne der pädagogischen Fragestellungen und der organisatorischen  Möglichkeiten/Inhalten) Inhalten und Formaten.
  • Ressourcensuche im Team nach Trägern des Projekts, Fragen der Qualifikation etc.
  • Dieser Teil der Arbeit ist prozesshaft und geht direkt in die Planung, Durchführung und Evaluation der konkreten Inhalte über.

Qualitätsvolle Kurzzeitinterventionen

Mehrtägige Formate mit erlebnispädagogischem Charakter

Diese Settings sind in stationären Einrichtungen häufig anzutreffen, und sind oft die eigentliche (und einzige) Bühne für Freizeitpädagogik. Je nach den im Team vorhandenen Fähigkeiten und Interessen wird für die Planung dieser Events unterschiedlicher Aufwand betrieben. Wenn keine speziellen Kompetenzen vorhanden sind, wird die Lösung oft in der Nutzung kommerzieller Angebote gesucht, auch weil für bestimmte Inhalte Qualifikationen vorgeschrieben sind (Bergführer, Kanuguide, etc.) .

Es werden dann  Professionisten vor Ort gebucht, die zwar eine spezifische Ausbildung für ihr Metier, aber zumeist keine sozialpädagogische Qualifikation besitzen. Dies macht es  unmöglich settings zu kreieren,  bei denen Jugendlichen- und Betreuergruppen etwa im Sinne eines konkurrenzgeleiteten Wettkampfs verschiedene Aufgaben zu lösen haben, die eine längere zeitliche Trennung bedingen. Auch auf die Entwicklungsmöglichkeiten, die ein solches setting für Bezugsbetreuungsbeziehungen bietet, kann  bei kommerziellen Angeboten „von der Stange“ meist keine Rücksicht genommen werden. Die Chance, das pädagogische Potential dieser Unternehmungen durch eine auf professionelle sozialpädagogische Anamnese der betreffenden  Institution fußende Planung zur Gänze zur heben, wird so vergeben.

Beratungsablauf

  • Darstellung der betreffenden Einrichtung (Team- und Klientenstruktur) aus Sicht der Einrichtungsleitung
  • Klärung der organisatorischen Rahmenbedingungen (zeitliche, finanzielle Möglichkeiten)
  • Teamgespräch über +/- Erfahrungen mit Erlebnispädagogik
  • Gemeinsame Analyse der aktuellen pädagogischen Fragestellungen
  • Wünsche an die Gestaltung von Seiten der Klientinnen – eventuell im Rahmen einer WG-Versammlung
  • Erarbeiten passgenauer Vorschläge und Präsentation für die Einrichtungsleitung
  • Präsentation und Diskussion im Team
  • Detailplanung, Durchführung, Dokumentation – je nach Wunsch

Von einer Begleitung im Sinne einer Prozesssupervision bis hin zur Detailplanung, Organisation und Durchführung ist jede Form der Unterstützung möglich und individuell planbar.

Diese Form der Unterstützung von kurzzeitigen Interventionen ist natürlich auch für WG-Urlaube oder geschlechtsspezifische Formate (Burschen-/Mädchenwochenenden) adaptierbar.